Neues von der Regelenergie

Seit einigen Jahren setzt sich Statkraft erfolgreich dafür ein, die Windkraft im Regelenergiemarkt zu etablieren. Regelenergie wird bisher zu einem großen Teil von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt. Eine Bereitstellung aus Windkraft ist somit eine entscheidende Voraussetzung, dass zukünftig immer mehr dieser konventionellen Kraftwerke abgeschaltet werden können und nicht mehr als „Must-Run“ Anlagen am Netz bleiben müssen. In diesem Blog möchten wir Sie über die neuesten Entwicklungen informieren: Was passiert nach dem Ende der Pilotphase? Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Übertragungsnetzbetreibern? Wann kommt der neue Regelarbeitsmarkt und was genau bedeutet das?

Was genau ist eigentlich Regelenergie? Die Regelenergie dient den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) als Instrument, um im Netz das Gleichgewicht aus Erzeugung und Verbrauch aufrechtzuerhalten. Dieses Gleichgewicht ist wichtig, um die Frequenz im europäischen Verbundsystem bei 50 Hz zu halten. Übersteigt die Erzeugung den Verbrauch oberhalb definierter Schwellwerte, müssen Kraftwerke abgeschaltet oder Lasten erhöht werden. Andersherum verhält es sich um umgekehrten Fall. Den ÜNB stehen dabei drei Eskalationsstufen zur Verfügung, welche sich in der Reaktionszeit und weiteren Anforderungen unterscheiden:

  • Primärregelleistung („PRL“ oder „FCR“) – Erbringung innerhalb von 30 Sekunden
  • Sekundärregelleistung („SRL“ oder „aFRR“) – Erbringung innerhalb von 5 Minuten
  • Minutenreserveleistung („MRL“ oder „mFRR“) – Erbringung innerhalb von 15 Minuten

Alle Anlagen (Kraftwerke, Verbraucher), die am Regelenergiemarkt teilnehmen wollen, müssen sich im Vorfeld einer strengen Eignungsprüfung unterwerfen – der sogenannten „Präqualifikation“.

Seit einigen Jahren läuft eine Pilotphase für die Präqualifikation von Windenergieanlagen (WEA) für (negative) Minutenreserveleistung.

Diese Pilotphase soll zum einen allen Akteuren - insbesondere den ÜNB - dazu dienen, die Eignung der Windkraft zur Erbringung von Minutenreserveleistung zu untersuchen. Zum anderen können dabei die speziell für die Pilotphase aufgestellten Präqualifikationskriterien in engem praktischen Bezug zu überprüft werden.

Die Pilotphase sollte eigentlich am 31.12.2019 auslaufen. Sie läuft aber so lange weiter, bis die neuen Präqualifikationsbedingungen für die Windkraft erstellt und veröffentlicht werden. Wir erwarten, dass dies gegen Ende Q1 oder im Laufe des Q2 2020 passiert. Darüber hinaus erwarten wir, dass die neuen Bedingungen die Präqualifikation der Windkraft eher erleichtern bzw. zumindest nicht erschweren werden. Sobald es hier Fakten zu berichten gibt, werden wir Sie in unserem Blog darüber informieren.

Nachdem wir bereits im Jahr 2018 vier Windparks mit einer Leistung von ca. 110 MW in der Regelzone des ÜNB 50Hertz für die MRL erfolgreich präqualifizieren konnten, sind wir aktuell in sehr konstruktiven Gesprächen mit den ÜNB Amprion und Tennet, in denen wir unser überarbeitetes Erbringungskonzept vorgestellt haben. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die ÜNB zeitnah unserem Konzept zustimmen werden, so dass wir auch Windparks in der Tennet- und Amprion-Regelzone zur Präqualifikation einreichen können. Anschließend werden wir die Gespräche mit den ÜNB zum Thema SRL vertiefen. Hier soll gemeinsam ausgelotet werden, ob und wie die Windkraft auch am Sekundärregelleistungsmarkt teilnehmen kann.

Eine weitere positive Entwicklung für die Regelenergie aus Windkraft sehen wir in der Einführung des Regelarbeitsmarktes voraussichtlich im November 2020. Warum? Bisher funktionierte das Bieten für SRL und MRL vereinfacht wie folgt: Der Anbieter bietet am Tag vor der Lieferung im Regelleistungsmarkt die Vorhaltung einer bestimmten Leistung für den Folgetag (aufgeteilt in Zeitscheiben von vier Stunden) zu einem selbst bestimmten Leistungspreis an. Bekommt er den Zuschlag, muss er am nächsten Tag diese Leistung vorhalten und kann zum gebotenen Arbeitspreis abgerufen werden. Diese starre Verknüpfung von Regelleistungs- und Regelarbeitsmarkt impliziert, dass der Teilnehmer einen Tag zuvor eine feste Zusage bzgl. der zu erbringenden Leistung abgeben muss. Aufgrund des fluktuierenden Charakters der Windkraft funktioniert dies nur, wenn man als Bieter mit hohen Sicherheitsabschlägen arbeitet. Durch die Trennung zwischen Regelleistungs- und Regelarbeitsmarkt zum 02. November wird es den Marktteilnehmern nun erlaubt sein direkt am Regelarbeitsmarkt teilzunehmen. Dadurch kann ein Gebot auch eine Stunde vor Lieferung, also fast in Echtzeit, für MRL und SRL abgegeben werden. Durch die höhere Kurzfristigkeit reduziert sich die Notwendigkeit eines Sicherheitsabschlags deutlich. Der Regelenergiemarkt (SRL und MRL) wird für die Windkraft deutlich zugänglicher.

Wir überwachen stets die Windparks in unserem Direktvermarktungsportfolio hinsichtlich der Erfüllung der strengen Präqualifikationsanforderungen der ÜNB. Sobald ein Windpark die Kriterien erfüllt, führen wir einen spezifischen Abregelungstest durch, der von den ÜNB gefordert wird. Bei erfolgreichem Test informieren wir Sie mit dem Vorschlag für Ihren Park, den Präqualifikationsprozess starten zu dürfen. Diesen übernehmen wir vollständig sowie die erforderliche Kommunikation mit dem ÜNB. Sollte sich Ihr Windpark präqualifizieren, profitieren Sie von Mehrerlösen, sobald Ihr Windpark Regelenergie liefert. Genauer gesagt partizipieren Sie an der Hälfte der Zusatzerlöse, die wir über ihren anzulegenden Wert hinaus erwirtschaften. Darüber hinaus kann eine Abregelung der Anlage rotierenden Teile schonen und die Kosten des Wartungsvertrags reduzieren.