NABEG und SO Guidelines

Betreibern von erneuerbaren Energieanlagen in Deutschland steht eine erhöhte Datenlieferungsverpflichtung bevor.

NABEG ist das Kürzel für das vor Ostern vom Bundestag beschlossene Netzausbaubeschleunigungsgesetz. In diesem Blog werden nur die Regelungen des NABEG zum EEG und EnWG behandelt. Diese greifen erst ab dem 1. Oktober 2021, dennoch ist es ratsam sich bereits jetzt mit den Auswirkungen auseinanderzusetzen.

SO GL steht für System Operations Guidelines, eine europäische Verordnung, die Richtlinien für die Systemstabilität des europäischen Stromnetzes festschreibt. Diese Verordnung aus dem Jahr 2017 wird nun ab Oktober 2019 schrittweise auch von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern umgesetzt. Dabei sind zunächst nur Anlagen betroffen, die direkt am Übertragungsnetz (HÖS und HS) angeschlossen sind. Wann weitere Anlagen miteinbezogen werden ist aktuell noch offen.

Beiden Regelwerken ist gemein, dass sich die Datenlieferpflichten für Betreiber von erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen erhöht. Die Verpflichtung zur Datenlieferungen ist nach Primärenergieträger und Anlagengröße differenziert und reicht von Stammdaten über Planungsdaten und Meldungen von Nichtverfügbarkeiten bis zu Echtzeitdaten.

Ziel ist es, die zunehmende Stromerzeugung aus fluktuierenden Quellen (Wind, PV) besser in den Griff zu bekommen und so die Mengen und Kosten aus Erzeugungsmanagementmaßnahmen und Redispatch zu reduzieren. Dazu soll über eine Verbesserung der Kommunikation aller Beteiligten die Netzführung von ad-hoc Steuerung auf Basis von Echtzeitdaten zu einem planbaren, transparenten Prozess überführt werden

Neben der Ausweitung der Datenflüsse sieht das NABEG die vollständige Verlagerung der bisherigen Praxis der Erzeugungsmanagementmaßnahmen in das bereits bei konventionellen Kraftwerken praktizierte System des Redispatch vor. Dazu wurden die §§ 13, 13a und 14 EnWG angepasst und die §§ 14, 15, und 18 EEG 2017 gestrichen. Für die Vertragsbeziehung zwischen Anlagenbetreiber und Direktvermarkter ist dabei entscheidend, dass ein bilanzieller Ausgleich der durch die Maßnahme reduzierten Einspeisemenge erfolgt. Der bisherige finanzielle Ausgleich vom Netzbetreiber an die Anlage wird auf die entgangene Marktprämie beschränkt. Der Direktvermarkter bekommt also zusätzliche Strommengen während der Anlagenbetreiber geringere Einnahmen verzeichnet. Dieser Umstand ist in den Direktvermarktungsverträgen zu berücksichtigen. 

Diese zusätzlichen Datenflüsse bringen Mehraufwand für Anlagenbetreiber mit sich, da sie verantwortlich sind für Datenbereitstellung und Datenlieferung. Es besteht allerdings die Möglichkeit einen Einsatzverantwortlichen (EIV) zu bestimmen. Der EIV soll im Rahmen von SO GL und Redispatch der zentrale und einzige Ansprechpartner für die Netzbetreiber sein. Das jeweilige Direktvermarktungsunternehmen kann beispielsweise die Rolle des EIV übernehmen. Hierbei sollte die Verteilung von Rechten und Pflichten vertraglich eindeutig festgelegt werden, um Unklarheit und somit eventuelle Pönalen zu vermeiden.

Statkraft wird diesen Service in Zukunft anbieten. Bei Fragen oder Unklarheiten stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung.