Statkraft und Mercedes-Benz Cars schließen Stromliefervertrag und sichern damit Weiterbetrieb von sechs Bürgerwindparks

14.12.2018 | News

Bürgerwindpark Bassum

Der Windpark Bassum ist einer der sechs Bürgerwindparks. Quelle: Windwärts, Foto: Mark Mühlhaus|attenzione

Im September verkündete Statkraft, den Strom aus sechs niedersächsischen Bürgerwindparks nach Auslaufen der EEG-Förderung über eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren abzunehmen. Ab 2021 wird Mercedes-Benz Cars diesen Strom exklusiv beziehen und damit unter anderem den Produktionsstandort des Elektroautos EQC in Bremen versorgen.

Mercedes-Benz Cars wird als erster industrieller Großkunde Strom direkt aus deutschen Windkraftanlagen beziehen, deren Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Ende 2020 ausläuft. Damit trägt Mercedes-Benz Cars zur Sicherung des wirtschaftlichen Betriebs von Bestandsanlagen bei, die so weiterhin ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele in Deutschland leisten können. Der Stromliefervertrag ist damit ein wichtiger Beitrag zur deutschen Energiewende.

„Dieser Vertrag untermauert unsere führende Position in Europa bei der direkten Versorgung von Industriekunden mit Strom aus nicht geförderten, erneuerbaren Anlagen. Wenn marktorientiertes Handeln, eine gezielte Vermarktung und ein effizienter Anlagenbetrieb zusammenkommen, ist in vielen Fällen ein Betrieb ohne Förderung möglich“, sagt Dr. Carsten Poppinga, Geschäftsführer von Statkraft in Deutschland. „Die Kooperation mit innovativen Unternehmen wie Daimler, Enovos und Windpionieren wie den Bürgerwindparks ermöglicht es uns, die Marktintegration von erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa voranzutreiben.“

Sicherung des Weiterbetriebs und wichtiger Schritt zu einer CO2-neutralen Produktion

Statkraft geht gemeinsam mit Mercedes-Benz Cars den ersten Schritt auf dem Weg zur Umsetzung einer CO2-neutralen Energieversorgung aller deutschen Mercedes-Benz Cars Werke. Die Lieferung des Stroms aus den Windparks wird in die bestehende Stromversorgung durch die Enovos Energie Deutschland GmbH eingebunden. Enovos stellt vor allem die Abrechnung, die Netznutzung und die Integration der Grünstrommengen in das Stromportfolio der Werke sicher.

„Wir verfolgen bei Mercedes-Benz Cars die Strategie digital, flexible, green in unserer weltweiten Produktionsorganisation. Dazu gehört unter anderem, dass wir alle Daimler unsere deutschen Werke bis 2022 mit CO2-neutraler Energie versorgen werden. Als erstes Industrieunternehmen in Deutschland nutzen wir Strom aus sechs Windparks und sichern so schon heute den Weiterbetrieb. Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in der Umsetzung unserer CO2-neutralen Produktion und unterstreichen unsere gesellschaftliche Verantwortung“, so Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain.

Der grüne Strom aus den Windparks wird beispielsweise für die Produktion des Elektroautos EQC im Mercedes-Benz Werk Bremen sowie für die deutschen Batteriestandorte wie beispielsweise Kamenz und Stuttgart-Untertürkheim eingesetzt werden.

Der in den Windparks erzeugte Grünstrom wird nach Inkrafttreten des Vertrags in das Netz eingespeist und zeitgleich von den Mercedes-Benz Werken aus dem Netz entnommen. Die Stromleistung ist entsprechend dem unterschiedlichen Ende der EEG-Förderung der einzelnen Anlagen gestaffelt, für 2021 sind 33,1 Millionen Kilowattstunden (KWh) geplant. In den Jahren 2022 bis 2024 werden es voraussichtlich 74 Millionen KWh sein und 2025 sieht der Vertrag eine Lieferung von 21,8 Millionen KWh vor. Genutzt wird dieser grüne Strom beispielsweise für die Produktion des Elektroautos EQC im Mercedes-Benz Werk Bremen. Die Elektro-Offensive von Mercedes-Benz wird mit dem Ansatz einer CO2-neutralen Energieversorgung der Werke konsequent fortgeführt.

Statkraft bringt Stromerzeuger und Unternehmen zusammen und baut damit seine Rolle als führender PPA-Anbieter (Power Purchase Agreement) in Europa weiter aus.

Zukunftsperspektive für insgesamt 31 norddeutsche Windkraftanlagen

Die insgesamt sechs Windparks mit 31 Turbinen stehen in einem Umkreis von rund 25 Kilometern um die niedersächsische Hauptstadt Hannover sowie in Bassum, 30 Kilometer südlich von Bremen. Die Anlagen erzeugen ca. 74 GWh pro Jahr und haben eine installierte Leistung von 46 MW. Zwischen 1999 und 2001 in Betrieb genommen, wird deren Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz nach 20 Jahren auslaufen.

„Je näher das Förderende heranrückt, desto mehr solcher Verträge wird es geben. Die Kontrakte haben meist eine Laufzeit von zwei, drei bis maximal sechs Jahren. Die Vertragslaufzeiten hängen unter anderem vom technischen Zustand der Anlagen und der Möglichkeit zum Repowering ab“, erklärt “, sagt Sascha Schröder, Vice President Commercial Strategy bei Statkraft.

Das EEG garantierte den Windpark-Betreibern bisher eine feste geförderte Vergütung für die Abnahme des Stroms. Ab dem 1. Januar 2021 läuft bei etwa 6.000 deutschen Windkraftanlagen die EEG-Förderung aus. Insgesamt entspricht dies einer installierten Leistung von 4,5 GW, genug um den Strombedarf von etwa 2,1 Millionen Haushalten zu decken. Ab 2022 fallen jedes Jahr weitere Anlagen aus der EEG-Vergütung. Nach aktuellem Datenstand könnten dies im Zeitraum 2022 bis 2026 jährlich etwa 1.600 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von zirka oder 2,5 Gigawatt installierter Leistung betreffen.

Bereits im Mai dieses Jahres hat Statkraft ein Power Purchase Agreement mit dem Spezialisten für Erneuerbare Energien BayWa r.e. geschlossen. Der Solarpark Don Rodrigo liegt südlich von Sevilla und verfügt über eine Gesamtleistung von über 170MWp. Mit einer Laufzeit von 15 Jahren ist dieser Stromabnahmevertrag der bisher einzige seiner Art. Spanien ist nicht nur wegen seiner höheren Sonnenstrahlung interessant für Statkraft. "Spanien zählt zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen. Aber auch Faktoren wie die geringere Solarstromanteil dort und ein funktionierenden Forward-Strommarkt tragen dazu bei, dass sich ein PPA-Projekt wie Don Rodrigo rechnet" sagt Sascha Schröder.