Hoher Windertrag und negative Preise für Weihnachten erwartet

22.12.2016 | News

Stamasen Windpark im Schnee

Verschneite Weihnachten wird es leider nicht geben. Stattdessen werden milde Temperaturen, viel Wind und negative Preise erwaret.

Weihnachten soll uns steigende Temperaturen und viel Wind bescheren. Statkraft-Meteorologe Eric Stein erklärt, was am milden Weihnachtswetter Schuld ist und warum wir am Wochenende mit negativen Preisen rechnen müssen.

Es wird uns auch dieses Jahr treffen. Noch ist alles ruhig. Leichter Nachtfrost liegt in der klaren, trockenen Luft über Land und Stadt. Es wird früh dunkel und viele genießen den Glühwein, endlich, bei richtigen Wintertemperaturen. Nur noch wenige Tage bis Heiligabend. In den Hochlagen der Mittelgebirge liegt schon etwas Schnee und im Sauerland werden schon die Schneekanonen in Stellung gebracht. Eine Chance auf weiße Weihnachten schien es auch für das Flachland zu geben. Perfekt.

Weihnachten wird windig und graugrün

Die meisten Wetterdienste machen uns mittlerweile aber wenig Hoffnung auf weiße Weihnachten - mal wieder. Doch warum ist uns auch dieses Jahr kein Schnee an Weihnachten gegönnt? Die Ursache dafür formt sich bereits draußen auf dem Nordatlantik. Der deutsche Forscher Herrmann Flohn, Geograph und Meteorologe stieß schon in den vierziger Jahren auf statistische Spuren der gnadenlosen Mittelbreitenzyklone. Er stellte fest, dass das Phänomen uns an sieben von zehn Weihnachten heimsucht.

Ein sich vertiefender Wirbel, entstanden aus einer kleinen atmosphärischen Störung vor Neufundland wälzt sich, mehrere hundert Kilometer am Tag zurücklegend, unaufhaltsam über Island, Schottland und die Nordsee in Richtung Mitteleuropa. Milde atlantische Luft nagt erbarmungslos am ersten Schnee, selbst in den Hochlagen. Regen und Schmelzwasser lässt die Flüsse anschwellen. Der aufkommende Wind bläst die Weihnachtsstimmung weit nach Osten. Graugrün und trüb werden die Tage und das Weihnachtsfest. Grog würde besser zu diesem Wetter passen als Glühwein. Grüne, kahle Weihnachten drohen. Der Schneemann versinkt im nassen Gras. Das Weihnachtstauwetter hat wieder zugeschlagen.

 In den letzten 10 Jahren war das Weihnachtstauwetter besonders ausgeprägt.

Tauwetter kann negative Preise bringen

Tatsächlich handelt es sich hier um eine Regelmäßigkeit im typischen Winterverlauf. Im Fachjargon auch „Witterungssingularität“ genannt. Lange Zeitreihen der Temperatur in Deutschland verraten, dass sich nach einem ersten Wintereinbruch Mitte Dezember bemerkenswert häufig eine Tauwetterperiode im Zeitraum vom 25. bis 29. Dezember einstellt. In den letzten 20 Jahren sogar noch regelmäßiger als in den Jahrzehnten zuvor, womit die Hoffnung auf weiße Weihnachten für die meisten wohl dahin ist.

Die Abmilderung ist oft so ausgeprägt, dass es manchmal bis weit ins Frühjahr dauert, bevor wir wieder ähnlich milde Temperaturen in Mitteleuropa sehen. Manchmal ist es sogar an Ostern kühler als an Weihnachten .

Da aber sehr milde Dezembertage im Allgemeinen auch sehr windige Tage sind, wird Weihnachten in diesem Jahr besonders stürmisch. Und für das Wochenende drohen negative Strompreise an der Börse und Abregelungen. 

Zum einen wird der niedrigste Strombedarf für Deutschland in der Zeit um Weihnachten (40 GW +/- 2 GW) erwartet. Zum anderen ist eine sehr hohe Stromerzeugung aus Windanlagen für alle drei Weihnachtstage prognostiziert (ebenfalls um die 30 GW). Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit negativer Strompreise.

Die blaue Linie zeigt die voraussichtliche Stromerzeugung aus Windkraftanlagen ab dem 24. Dezember (grün markiert). Grafik: EVA 3