Direktvermarktung in Frankreich

Grafik Direktvermarktung Modell Frankreich

Der neue Fördermechanismus in Frankreich ermöglicht Mehrerlöse gegenüber der festen Einspeisevergütung

Seit dem 13. Dezember 2016 ist Direktvermarktung erneuerbarer Energie auch in Frankreich möglich. Es gibt allerdings einige Unterschiede zum deutschen Direktvermarktungssystem.

Wie sieht der neue Fördermechanismus genau aus?

Bisher hatten Betreiber von erneuerbaren Anlagen nur die Möglichkeit, den erzeugten Strom an den französischen Energieversorger EDF (Electricité de France SA) zu verkaufen und, je nach Art der Anlage, eine feste Vergütung über eine Vertragsdauer von 10 bis 20 Jahren zu erhalten. Ab dem 1. Januar 2016 bekamen Anlagenbetreiber die Möglichkeit, ihren erzeugten Strom direkt am Strommarkt zu veräußern. Diese Form der Direktvermarktung, ergänzt durch eine gleitende Marktprämie (complément de rémunération), entspricht dem deutschen Marktprämienmodell. Am 27. und 28. Mai 2016 wurden zwei Verordnungen (sogenannte Arrêtés) herausgegeben, welche die ersten Umsetzungsmodalitäten und weitere Grundprinzipien des Fördermechanismus festlegten. Seitdem folgten kontinuierlich weitere Verordnungen und Rechtsakte, die die Rahmenbedingungen immer genauer festlegten.

Unterschiede zum deutschen System

Kapazitätsmarkt:

Am 1. Januar 2017 trat der französische Kapazitätsmarkt in Kraft. Er verpflichtet jeden Stromerzeuger, die gesamte installierte Leistung zu zertifizieren. Diese Zertifikate kann er verkaufen, seine Einnahmen daraus werden von der Marktprämie abgezogen. Zur Festlegung des Referenzmarktwerts für das Jahr 2017 wurde bereits am 15. Dezember 2016 die erste Ausschreibung durchgeführt. Der Referenzmarktwert beträgt demnach 9.999,80 €/MW pro Jahr.

Freiwilliger Wechsel von Bestandsanlagen:

Die Betreiber von Bestandsanlagen, die aktuell eine feste Einspeisevergütung erhalten, dürfen jederzeit in die Direktvermarktung wechseln. Nach diesem Wechsel ist es möglich, innerhalb einer definierten Frist von maximal drei Jahren einmalig wieder zurück zu einer festen Einspeisevergütung zu wechseln. Die genauen Anforderungen zum Wechsel werden noch festgelegt.

Negative Preise an der Strombörse:

Das französische Marktprämienmodell sieht keine Auszahlung der Marktprämie bei negativen Preisen vor. Betreiber können eine Prämie erhalten, wenn sie in Zeiten negativer Strompreise keinen Strom erzeugen. Die Prämie wird allerdings nur ausgezahlt, wenn an der Strombörse über das gesamte Jahr mehr als eine bestimmte Anzahl von Stunden negative Preise aufgetreten sind. Für Photovoltaik beträgt diese Zahl 15 Stunden; bei Onshore-Wind sind es 20 Stunden.

Fernsteuerung:

Die Fernsteuerung ist weder für Wind-, noch Solaranlagen verpflichtend. Allerdings gibt es durch die Prämie, bei negativen Preisen keinen Strom zu erzeugen, einen Anreiz, die Anlagen abzuregeln.

Verantwortlichkeiten:

In Frankreich verwaltet EDF die Auszahlung der Markt- und der Managementprämie, nachdem die Aufsichtsbehörde CRE (Commission de régulation de l'énergie) die monatlichen technologiespezifischen Referenzmarkterlöse veröffentlicht.

Berechnung des Marktreferenzpreises:

Bei der Berechnung des Marktreferenzpreises wird nur der Durchschnitt der positiven Spotmarktpreise (einschließlich Null) auf „Day-ahead“-Basis berücksichtigt.

Managementprämie:

Die Managementprämie vergütet den Aufwand der Vermarktung und ist einer der interessantesten Punkte für Direktvermarkter und französischen Anlagenbetreiber. Am 13. Dezember 2016 wurde eine weitere Verordnung für neue Onshore-Windanlagen veröffentlicht. Unterschieden wird hierbei nach dem Zeitpunkt, an dem der Betreiber einen Einspeisevertrag bei EDF beantragt.

Für Neuanlagen (Onshore-Wind) gilt:

Für Einspeiseverträge, die für Neuanlagen zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2016 bei EDF beantragt wurden, legt die Verordnung vom 13. Dezember 2016 folgende Vergütungen fest:

  • Die Höhe der Managementprämie wurde mit 2,80 €/MWh für eine Förderdauer von 15 Jahren festgelegt
  • Die Tarifhöhe beträgt 82 €/MWh

Für Einspeiseverträge, die für Neuanlagen ab dem 1. Januar 2017 bei EDF beantragt werden, gelten folgende Vergütungen:

  • Eine Tarifhöhe zwischen 72 und 74 €/MWh, je nach Konfiguration
  • Die Förderdauer beträgt 20 Jahre 
  • Die Managementprämie beträgt 2,80 €/MWh

Für Bestandsanlagen (Onshore-Wind und Photovoltaik) gilt:

Weitere Verordnungen werden nach und nach folgen. Statkraft geht davon aus, dass sich die Höhe der Managementprämie für Bestandsanlagen, die optional in die Direktvermarktung wechseln können, in einem ähnlichen Rahmen bewegen wird.

Unterschiede zwischen Rahmenbedingungen für Neuanlagen gegenüber Bestandsanlagen: